Namibia Tour 2020

Seit einer Woche bin ich nun zuhause und es gibt keinen Tag, an dem ich nicht an das wunderschöne Namibia denke. Die Namibia Tour 2020 gehört definitiv zu meinen besten Reisen und großartigsten Erlebnissen „ever“!

Seit einigen Wochen bin ich in Kontakt mit Valentin von „Külbs-Steaks“ und als er mir an einem grauen/verregneten/nasskalten Donnerstag erzählte, dass er nach Hause auf die Farm in Namibia fliegt, konnte ich meine Klappe nicht halten und sagte „ich komm mit!“ 8 Tage später saß ich tatsächlich in einem Flieger nach Windhuk, der Hauptstadt Namibias.

Vor Ort ging es erstmal zum Einkaufen, wenn man schon die Möglichkeit hat will man ja auch in der Kalahari das ein oder andere Rezept erstellen, und spätestens im Supermarkt merkt man den Einfluss der Deutschen Auswanderer. Fleischwurst, Brot, Bier, Aufschnitt sowie etliche deutsche Produkte wie Senf oder sogar Glühwein sind allgegenwärtig. Vieles wird importiert, aber vor allem die frischen Sachen werden vor Ort produziert. Nach dem Einkauf ging es direkt zu der Farm der Külbs, wo ich mich fast die restliche Zeit (es gab noch einen kleinen Ausflug nach Windhuk) aufgehalten habe.

Auf der Fahrt zur Farm hatte ich mein erstes Namibia-Erlebnis, und zwar die Begegnung mit der Stille. Hört sich erstmal komisch an, aber ihr steht mitten im nichts, seit über einer Stunde Autofahrt habt ihr kein Haus und kein Auto gesehen. Die Sonne steht hoch am Himmel und aufgrund der Höhe und Klarheit der Luft wirken die Schatten unglaublich „hart“. Das Ganze wird begleitet von einer Stille die schon etwas gespenstisch ist, für mich als Großstadt-Bewohner eine fast surreale Erfahrung, vor allem was die Stille angeht. Von diesen Erfahrungen hatte ich noch mehr auf der Farm, allerdings haben sie mich nicht so unvorbereitet getroffen.

Kommen wir zu der Farm der Külbs, die seit 3 Generation in Familienbesitz ist und nun von Jonathan bewirtschaftet wird. Die Farm ist riesig für deutsche Verhältnisse, 2/3 der Fläche Berlins sind allerdings in Namibia nicht unbedingt das, was man als groß bezeichnet. Während Valentin sich in Deutschland um den Vertrieb und die Vermarktung kümmert, ist Jonathan der Farmer vor Ort, der alles am Laufen hält.

Beide sind auf der Farm groß geworden und kennen jede Ecke und sehen vieles anders als die Bauern, die ich hier aus Deutschland kenne. Natürlich ist vieles auch der Größe der Farm geschuldet, aber ich denke, dass mit ihrer Sichtweise, die Brüder auch hier in Deutschland zu den Vorreitern gehören würden, in Namibia sind sie das bestimmt. Wildtiere sind kein Problem, denn sie gehören zum Land dazu und sind gleichzeitig auch Nutztiere und werden für den Eigenbedarf bejagt. Selbst die Schakale, die sich in letzter Zeit zu einer Plage entwickelt haben (90% der neugeborenen Lämmer der letzten 6 Monate sind den Schakalen zum Opfer gefallen) werden eigentlich nicht als Problem behandelt. In einer geringen Zahl sorgen sie dafür, dass die Lammherden gesund bleiben, denn ein Schakal jagt nicht unbedingt die gesunden Tiere, sondern eher die kranken und schwachen. Jonathan ist das Gleichgewicht wichtig und das versucht er auch auf seiner Farm zu erhalten, damit auch zukünftige Generationen der Külbs die Farm bewirtschaften können. Das merkt man, wenn er darüber spricht oder wenn man den Rindern, Lämmern und Springböcken, die gemeinsam weiden, zusieht. Natürlich steht die Rinder- und Lammzucht im Vordergrund, um das wirtschaftliche Überleben der Farm zu sichern, aber der größtmögliche Profit ist nicht das oberste Ziel. Deshalb vermarkten die Jungs das Fleisch auch hier selber, denn nur so können Sie das erhalten, was sie lieben: die Farm.

Dass beide Brüder auf der Farm aufgewachsen sind, sieht man auch anhand der Erfahrung und Ortskenntnis, die sie haben. Ich behaupte von mir, dass ich ein sehr gutes Gespür für Orientierung habe, aber ich hätte mich dort auf der Farm hoffnungslos verlaufen. Für mich hat die Landschaft dort irgendwie keine „Orientierungspunkte“, denn sie besteht grundsätzlich aus 4 Dingen: rotem Sand, goldenem Grass, Bäumen und einem endlosen blaue Himmel. Dazu kommt noch das Licht, das je nach Tageszeit und Intensität, die Landschaft komplett verändert… Es ist unglaublich und wunderschön! In der Zeit, die ich dort verbrachte, konnte ich mich einfach nicht satt sehen. Eine Landschaft, die förmlich aus einer „National Geographic“ Doku stammen könnte und sogar noch besser, denn wie auf Kommando posieren noch ein Löffelhund und ein Springbock fürs Bild.

Dazu kommen noch fantastische Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge, die ich in der Intensität noch nie gesehen habe! Und der Sternenhimmel erst… Unglaublich! ich habe immer gedacht, dass diese „Milchstrassen-Fotos“ ohne Ende bearbeitet sind, jetzt weiss ich, dass es tatsächlich so ist und der Sternenhimmel wirklich so aussieht. Ob nun bei Tag oder Nacht, diese Landschaft kann sich ohne Probleme mit dem Grand Canyon messen und ich behaupte mal, dass sie noch schöner ist! Ich könnte jetzt noch viel erzählen, aber Bilder sagen einfach mehr als Worte, deshalb schaut in die Fotos.

Was mir noch besonders aufgefallen ist, ist die Hilfsbereitschaft und Offenheit der Leute, die Farmer unter sich ziehen gemeinsam an einem Strang und auch auf Freunde ist immer Verlass. An meinem letzten Wochenende wurde Oktoberfest gefeiert und Familie und Freunde reisten zur Farm, um gemeinsam zu feiern. Obwohl teilweise bereits in der 5. Generation in Namibia lebend, versucht man einen Spagat zwischen dem Jetzt und der Herkunft. Man fühlt sich als Namibier und möchte das ganze Land besser machen, gleichzeitig will man seine Wurzeln nicht vergessen. Alle, die ich dort vor Ort kennengelernt habe, sind nach der Schule ins Ausland gegangen, um Erfahrung zu sammeln, aber gleichzeitig auch irgendetwas zu erlernen, was man im Land braucht. Diese Offenheit trifft gleichzeitig auf die Traditionen der Großeltern und wirkt zu keinem Zeitpunkt irgendwie fehl am Platz. Einen Satz werde ich nicht vergessen: „Wenn ich das Beste aus meinen Erfahrungen und meiner Erziehung nehme, mache ich Namibia zu einem besseren Ort für alle.“

Ich könnte jetzt noch zig Sachen schreiben, aber einige Sachen werde ich in den Rezepten, die bald kommen werden, aufgreifen und fürs erste schaut euch einfach die Namibia Highlights auf Instagram an